Zwei Jahre nach einer hitzigen Diskussion sitzt ein neuer Entwickler vor dem Code und fragt: Warum wurde das damals so gemacht? Ohne Aufzeichnung beginnen Vermutungen, Debatten und kostspielige Rückbauten.
Warum es jetzt wichtiger ist als früher
Systeme werden fragmentierter, Teams verteilter und Releases schneller; das Resultat ist mehr kurzfristige Entscheidungen und weniger gemeinsames Gedächtnis, weshalb dokumentierte Entscheidungsgrundlagen die einzige wirkliche Brücke zwischen damaliger Absicht und heutiger Praxis sind.
ADRs in einem Satz erklärt
Ein ADR ist ein kurzes Dokument, meist als Markdown im Repo, das eine Architekturentscheidung beschreibt mit Titel, Kontext, Alternativen, der eigentlichen Entscheidung und ihren Konsequenzen, damit jede spätere Revision nachvollziehbar wird.
Prozess, Werkzeuge und ökonomischer Nutzen
Der Aufwand für ein ADR ist gering, die Hebelwirkung groß: Einfache Vorlagen, Reviews über Pull Requests und Verlinkungen zu Issues reichen oft aus, um Onboarding zu beschleunigen, Doppelarbeit zu vermeiden und Architektur-Debatten zu verkürzen; langfristig zahlt sich die kleine Investition in Zeit mehrfach aus.
Ein Team bei einem Online-Shop
Ein Team eines großen Online-Shops entschied sich zwischen einem modularen Monolithen und Microservices und hielt die Abwägungen in einem ADR fest; drei Monate später vermied die Dokumentation eine kostspielige Migration, weil die ursprünglichen Performance- und Betriebsgründe klar nachvollziehbar waren.
Wie ein Tech Lead Orientierung schafft
Als ein Tech Lead ein kritisches ADR verfasste, half das Dokument, Produktmanagement und Betrieb zu vereinen: Die getroffene Wahl bekam einen klaren Kontext, die Risiken waren sichtbar, und spätere Änderungen konnten gezielter geplant werden.
Was passieren kann und wer Verantwortung trägt
ADRs sind kein Allheilmittel: Sie können veralten oder ignoriert werden, wenn niemand für Pflege zuständig ist; deshalb sollten Solution- oder Software-Architekt, Entwickler und Projektmanager gemeinsam entscheiden, welche Entscheidungen dokumentiert und regelmäßig geprüft werden.
Kleine Schritte, große Wirkung
Beginnen Sie mit einem ADR für jede wesentliche Richtungsentscheidung, integrieren Sie das Review in den Pull-Request-Prozess und machen Sie Architekten und Projektmanager zu Hütern dieser Dokumente, denn nur so bleiben Entscheidungen nachvollziehbar und handhabbar.